PRESSEBERICHT in der Kehler Zeitung vom 2.3.26 :
Rasant und urkomisch
Das Alemannische Theater Kehl sorgte mit einem lebendigen Stück und schwarzem Humor für Begeisterung in der Stadthalle. Für "Chaos im Bestattungshaus" gab es am Samstag viel Applaus.



Fotos: Levent Gündüz
Von Karin Bürk
Kehl. Ausverkauft! Strahlend begrüßte Geschäftsführer Horst Britz vom Alemannischen Theater Kehl (ATK) am
Eingangsbereich der Stadthalle Kehl die Gäste. Sie alle wollten dabei sein, wenn das Stück "Chaos im Bestattungshaus"
mit urkomischen, schrägen Charakteren und überraschenden Wendungen für allerlei Verwirrungen sorgt und mit
Spielwitz und Situationskomik einen Angriff auf ihre Lachmuskeln startet.
Amateur-Theater lebt von Begegnungen. Von Menschen, die zuschauen, mitgehen, lachen und von Menschen, die sich
auf, vor und hinter der Bühne engagieren. Auf jeden Fall bringen Theaterstücke im Dialekt wunderbare Nähe und
Lebendigkeit mit sich. Und diese Lebendigkeit passte auch perfekt zu diesem Stück, das aus der Feder von Winnie Abel
stammt und das Horst Britz auch dieses Mal wieder in Mundart übersetzt hatte. Einen besonderen Effekt boten die
musikalischen Einspielungen, die beim Publikum bestens ankamen und dem Stück von Beginn an Leichtigkeit verliehen.
Für Regisseur Rob Doornbos war es das zweite Mundartstück, bei dem er Regie führt. Alles in allem haben die Macher
des ATK mit ihren Stücken immer einen perfekten Mix gefunden, um den Zuschauer für zwei Stunden seine
Alltagssorgen vergessen zu lassen.
Und die Alltagssorgen vergessen und einfach nur herzhaft lachen, das konnte man bei der rasanten, schwarzen
Komödie. Denn wie sollte es anders sein, es war eine klassische Verwechslungskomödie voller Missverständnissen und
Überraschungen, bei dem ein Gag den anderen jagte: Das Bestattungshaus Speck steckt in finanziellen Problemen.
Deshalb lässt sich der chronisch pessimistische Bestatter Gerd (Markus Herrel) auf ein unmoralisches Angebot ein. Er ist
bereit, für den Fabrikanten Udo Kemp (Axel Hille) eine Beerdigung zu inszenieren – nur dass dieser gar nicht tot ist. Der
Lebemann möchte auf ungewöhnliche Weise von seiner reichen und verbitterten Frau Roswitha (Bärbel Simm-Hoppler)
loskommen und dabei noch eine Menge Geld mitnehmen. Helfen soll ihm sein Mitarbeiter Ludwig (Ingo Stiefel). Doch als
plötzlich die Geliebte (Christine Brodowsky) von Udo im Bestattungshaus auftaucht, Gerds lebenslustige Frau Verona
(Ingrid Scheer) den Gerichtsvollzieher Stecklüde (Martin Oehler) kurzerhand abfüllt, und dann auch noch die lebende
Leiche Udo plötzlich verschwindet, droht der unmoralische Plan vollends im Chaos zu versinken. Für weitere Verwirrung
sorgt das Gothic-Pärchen Paula (Maria Frassica) und Melanie alias Morgana (Marielle Schelske).
Die Premiere des neuen Stückes am Samstagabend war auf jeden Fall ein Volltreffer. Alle Rollen sind hervorragend
besetzt und das gesamte Ensemble agierte mit so viel Spielfreude und treffsicheren Pointen, dass Szenen-Applaus und
"Bravo"-Rufe am Ende das Ergebnis für diese gelungene Aufführung waren.
Der Workshop im Juli vergangenen Jahres hatte sich wieder einmal gelohnt, sodass mit Marielle Schelske und Axel Hille
auch diese Saison wieder zwei neue Darsteller auf der Bühne zu sehen waren. Neu in der ATK-Crew ist auch Raphael
Reimold, der bereits seit einigen Jahren bei der Burgbühne Oberkirch auf der Bühne steht. Am Samstagabend sollte er
zum ersten Mal auf den Kehler Brettern, die die Welt bedeuten, stehen. Aus persönlichen Gründen musste seine Rolle
drei Tage vor der Premiere jedoch neu besetzt werden. So wurde aus Sohn Paul Tochter Paula (Maria Frassica), was dem
Stück keinen Abbruch tat, sondern mit einem lesbischen Pärchen voll in die heutige Zeit passt.
Hinter der Bühne zeichnet neben Rob Doornbos als Regisseur noch Ursel Luanau für Inspizienz; Roland Rosenberger ist
für Licht und Ton und Willi Krämer und sein Team für den Bühnenaufbau verantwortlich. Die Gestaltung der
Programmhefte, Plakate und Flyer lag in den Händen von "Pericolinie
INFORMATION
Die weiteren Spieltermine des ATK:
Samstag, 7. März: Graf-Reinhard-Halle in Rheinbischofsheim, Beginn 19 Uhr
Sonntag, 8. März: Reithalle Offenburg, Beginn 19 Uhr
Samstag, 14. März: Langenrothalle Ichenheim, Beginn 19 Uhr
Sonntag, 15. März: Stadthalle Kehl, 18 Uhr